In der Ruhe liegt die Kraft

Juni 5, 2016/Cattle Drive

Im Naturschutzgebiete der Lippeaue lebt eine wilde Herde Heckrinder (Nachkommen des Auerochsen). Die Herde besteht aus ca. 25 Tieren und ist natürlich gewachsen. Sie beweiden das ca. 30 Ha große Naturschutzgebiet welches von dem Fluss Lippe als natürlichen Grenze umflossen wird. Die Tiere leben seit 2004 auf dem Gelände und wurden jahrelang mit Hilfe einer Behandlungsstation den vorgeschriebenen Behandlungen und Impfungen unterzogen. Vor zwei Jahren änderte sich etwas in der Herde und es war nicht mehr so einfach, sie in die Behandlungsanlage zu treiben. Dies wurde zu meist Zufuss durchgeführt. Die Lage verschlechterte sich zunehmend und es wurde Zeit etwas zu ändern.

Die Biologischen Station Kreis Unna | Dortmund entschloss sich Harald Fedder vom Cattle Drive Team zur Hilfe zu holen. Das Cattle Drive Team ist dafür bekannt, in aussichtslosen Situationen mit Vieh, helfen zu können. Bei einer ersten Sichtung zu Pferd wurde das Gelände und die Herde gesichtet, um die Lage einschätzen zu können.

So wurde am Samstag, den 4. Juni 2016 die erste Aktion durchgeführt. Das Ranch Roping Team war in Kooperation mit dem Cattle Drive Team zu diesem Vorhaben zusammengekommen. Im Einsatz waren Harald Fedder, Susanka Lemmer, Jürgen Marzinkowski, Tim Jansen zu Pferd und Uli Vögeding zu Fuss.

Wir fanden ein sehr schönes natürliches Gelände vor, welches den Rindern einen perfekten Lebensraum bietet. Nach einer kompletten Sichtung der Zaun- und Behandlungsanlagen zu Pferd, suchten wir die Herde und fanden sie am äußersten Ende des Geländes. Schon die erste Annäherung zeigte dass die Herde noch nie Kontakt mit Pferd und Reiter hatte und darauf sehr scheu reagierte. Es war nicht möglich näher als 40-50 m an die Herde heranzutreten ohne dass sie die Flucht antraten.  Über die Vorgehensweise waren wir uns eigentlich im vorhinein schon alle einig. Mit Hetze und Stress würden wir hier nicht weit kommen. Es blieb uns nichts anderes übrig als mit der Herde zu arbeiten um die daran zu gewöhnen sich von außen steuern (treiben) zu lassen. Hierzu war es dann auch mal nötig vor ihnen an einem bestimmen Ort zu sein, um Ihnen zu zeigen wo wir sie nicht haben möchten.

Nach 12 Stunden Arbeit, 3 Pausen im strahlenden Sonnenschein verzeichneten wir die ersten Erfolge. Die Herde blieb an bestimmten Orten an denen wir sie hinterließen.

Da der Auftrag jedoch noch nicht erledigt war und der Herde ohne unsere Hilfe eine ungewisse Zukunft blühte, entschloss Harald weiter mit Ihnen zu arbeiten. In der folgenden Woche wurden die Herde stressfrei und ruhig weiter an Pferd, Reiter und den Trieb gewöhnt. Selbst das Pferd durfte die Nächte mit der Herde verbringen.

Am folgenden Samstag, also eine Woche später, wurde der nächste Versuch unternommen, die Herde in Richtung Behandlungsstation zu navigieren. Diesmal mit weniger Man/Horse Power als die Woche zuvor. Beteiligt waren Harald Fedder und Tim Jansen. Es stellte sich heraus, dass die Herde sich komplett verändert hatte. Man konnte nun schon bis auf 2 Meter an die Tiere heranreiten (beste Ropedistanz). Die Herde ließ sich sehr gut treiben und lief nicht mehr kopflos an ihre Lieblingsplätze. Am Ende des Tages war es uns sogar möglich die Herde einmal durch die Pferchanlage zu treiben. Am Samstag zuvor wäre das fast nicht vorstellbar gewesen.

Ziel ist es Herde nachhaltig zu „erziehen“. Sie soll auch zukünftig ohne Stress und Angst behandelt und getrieben werden können. Somit haben wir es bei diesem Zwischenerfolg belassen und die Herde in einer besseren Verfassung hinterlassen, als wir sie aufgefunden hatten.

Der nächste Trieb wird zeigen, ob die Herde bereit ist behandelt zu werden. Wir freuen uns auf die Fortsetzung 🙂

Fazit: „The quickest way to move cattle fast, is to go slow.“ (Der effizienteste Weg Vieh schnell zu bewegen, ist es langsam zu machen) .Cowboyarbeit hat nichts mit Stress und Hetze zu tun, im Gegenteil. Leider kennen die meisten Viehhaltern diese Art der Arbeit gar nicht oder sie ist sogar verpönt. Im Sinne der Tiere und des Tier-/Naturschutzes würden wir uns wünschen, dass einige Viehhalter einmal in sich gehen und ihre bisherigen Vorgehensweisen überdenken.

Wir danken auch Brian Delinte, der uns in einer kanadisch-deutschen Hotline zur Seite stand. Dank an das Cattle Drive Team und das  Ranch Roping Team für diese Erfahrung.

Author und Fotos: Tim Jansen

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